01.08.2006 Regionaler Dialog: Neuausrichtung der Hochschulen bis 2012 Qualifizierte Akademiker sichern die Innovationskraft und den Wohlstand in der Region Wirtschaft, Land und Hochschulen haben sich in einem regionalen Dialog auf die Neuausrichtung der Hochschulen bis zum Jahr 2012 verständigt. Qualität und Quantität der Studienangebote sollen sich demnach künftig stärker als bisher am Bedarf der Wirtschaft ausrichten. „Ziel muss es sein, Hochschulabsolventen den Herausforderungen des Arbeitsmarktes gemäß auf die berufliche Praxis vorzubereiten“, erklärte Dr. Günter Baumann, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Nur so sei es möglich, dem künftigen Bedarf an Ingenieuren, Natur- und Wirtschaftswissenschaftlern in der Hochtechnologieregion Stuttgart gerecht zu werden.
Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg betonte: „Der verstärkte Zustrom von Studierenden an die Hochschulen in den kommenden Jahren ist eine große Chance für die Innovationskraft der Region. Deshalb müssen wir die Kräfte bündeln und jetzt die Weichen für die Entwicklung solcher Bildungsangebote stellen, die von den Unternehmen nachgefragt werden.“ Alle Teilnehmer des regionalen Dialogs „Hochschule 2012“, darunter auch Vertreter von 16 der 19 Hochschulen in der Region Stuttgart, waren sich darin einig, dass vor allem die internationale Kompetenz gefördert werden müsse. Unternehmen brauchten Fachkräfte, die bereit und fähig sind, international zu arbeiten. Die Kooperation mit ausländischen Partnerhochschulen sollte verstärkt werden. Viele Firmen bemängeln nach einer IHK-Umfrage auch fehlende soziale Kompetenzen, Selbstüberschätzung, Fremdsprachendefizite sowie die mangelnde Bereitschaft, im Ausland oder in international besetzten Gruppen zu arbeiten.
Bei der qualitätsorientierten Umsetzung des Bachelor-Master-Systems gebe es noch viel zu tun, resümierten die Teilnehmer. Entscheidend sei, dass der Bachelor tatsächlich zur Berufsbefähigung führe und Masterstudiengänge sich an den Bedürfnissen des Marktes orientierten. Die IHK Region Stuttgart geht von einem wachsenden Akademikerbedarf aus, insbesondere bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Derzeit arbeiten über 138.000 Akademiker in der Region Stuttgart. Das sind 13,4 Prozent aller Beschäftigten. Ein Drittel davon sind Ingenieure.
Sie stellen damit die größte Akademikergruppe. In den Schlüsselbranchen Automobil, Maschinenbau, Elektrotechnik, Unternehmensdienstleistungen arbeiten rund 60 Prozent der Hochqualifizierten in der Region Stuttgart. Der Wohlstand und der wirtschaftliche Erfolg der Region Stuttgart beruhen zu einem großen Teil auf der von ihr ausgehenden Innovationskraft. Mit einem Forschungs- und Entwicklungaufwand von rund sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes steht die Region bundesweit an erster Stelle.
Die Hochschulen müssen sich auf diese Situation einstellen: Den Mehrbedarf an Akademikern sowie die qualitative Ausrichtung der Lehre. Hochrechnungen belegen, dass der Bedarf hochqualifizierter Arbeitnehmer in den kommenden zehn Jahren auf über 200.000 steigen könnte. Denn 17 Prozent bzw. 24.000 Beschäftigte dieser Gruppe in der Region Stuttgart sind 50 Jahre alt und älter. Zudem haben sich Ingenieure von einsamen Tüftlern zu Teamarbeitern gewandelt. Sie müssen interdisziplinär denken, auch in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen, und die Bedürfnisse der Kunden kennen. Zusätzlich erfordert die globale Wirtschaft interkulturelle Qualifikationen. Zurück zur Übersicht |